Atomenergie

2 AKW-KühltürmeFunktionsweise

Ein „konservatives“ Erklärungsmodell:

Der kleinste - nicht mehr teilbare chemische Baustein ist das aus Kern und Hülle bestehende Atom. Der Kern enthält positiv geladene Protonen und ungeladene Neutronen. Er ist somit im Ganzen positiv geladen und zieht die negativ geladenen Elektronen der Atomhülle an. Die Zentrifugalkraft hält jedoch die um den Kern kreisenden Elektronen zu diesem auf Distanz.

Ein Elektron besitzt genau die Energie (Zentrifugalkraft) die es benötigt um der Anziehung des Kerns entgegenzuwirken und sich auf der Umlaufbahn zu halten. Es besteht ein  Gleichgewichtszustand.

Diesen Zustand zu halten bedarf es Energie, die bei der Atomspaltung freigesetzt wird.
Bei der Spaltung wird durch Neutronenbeschuss der schwere Kern in mehrere leichtere Kerne geteilt und dabei die Kernbindungsenergie in Form von Wärmenergie freisetzen.

Neutronen, die bei jeder Spaltung freigesetzt werden, führen zu weiteren Kernspaltungen und bewirken eine Kettenreaktion.

Die so entstandene Wärmeenergie wird zum Verdampfen von Wasser genutzt. Der Dampf treibt Turbinen zur Stromerzeugung an, kühlt ab und wird dem Kreislauf erneut zugefügt.

Interaktive Darstellung bei Spiegel online:
http://www.spiegel.de/flash/flash-24377.html

 

Praktische Nutzung in Zahlen

Bis 1989 stieg die Zahl der Atomkraftwerke weltweit kontinuierlich auf 423 Reaktoren zur Stromerzeugung an. Seitdem verlangsamte sich der Anstieg und war teils sogar rückläufig. Im August 2011 waren  laut World Nuclear Association 440 Reaktoren in Betrieb und 62 im Bau.

In Deutschland trat am 1. Januar 1960 das „Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren" in Kraft.

Bis 1989 gingen 37 Atomkraftwerke zur Stromerzeugung in Betrieb. 6 AKWs hatte man bis dahin zu bauen begonnen, aber nicht fertig gestellt bzw. nicht in Betrieb genommen.

Im sogenannten „Atomkonsens“ zwischen Bundesregierung und den AKW-Betreibern wurde 2000 der Ausstieg beschlossen, d.h. die Laufzeit der betriebenen Anlagen wurde begrenzt und der Bau neuer Atomkraftwerke wurde ausgeschlossen. Ausgeklammert wurden Forschungsreaktoren. Am 22. April 2002 wurde die Konsens-Vereinbarung Gesetz. Die 19 noch kommerziell betriebenen Anlagen sollten bis 2021 abgeschaltet werden.

Am 29. September 2010 beschloss die Deutsche Bundesregierung aus Union und FDP eine Laufzeitverlängerung und dann, nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, entgegen europaweiter Kritik, am 6. Juni abermals einen stufenweisen Ausstieg bis 2022.

Der Anteil der gesamten Deutschen Stromproduktion sank bis 2011 auf rd. 9,3 % und verminderte sich im Jahresverlauf 2011 laut AG Energiebilanzen infolge des Ausstiegsbeschlusses um knapp 23 Prozent (AG Energiebilanzen).
Derzeit (April 2012) befinden sich in Deutschland noch 9 Atomkraftwerke zur kommerziellen Stromerzeugung in Betrieb.

Interaktive Darstellung bei Spiegel online:
http://www.spiegel.de/flash/flash-24377.html

 

Probleme

Unfälle

Die Atomtechnik ist bis heute nicht entsprechend der Gefahr, die sie in sich birgt,  beherrschbar. Insbesondere die Unglücke in Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima hatten verheerende Folgen, die teils in absehbarer Zeit nicht behoben werden können.

Zumeist treten schwere Zwischenfälle im Zusammenhang mit  Beeinträchtigungen des Kühlsystems auf. Darüber hinaus kommt es aber auch immer wieder zu Lecks mit Austritten radiaktiver Substanzen.
Auch deutsche AKWs müssen mehrere gefährliche Zwischenfällen einräumen.

Mehr bei Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland:
http://www.bund.net/themen_und_projekte/atomkraft/gefahren/unfaelle/

Atommüll

„Rund 300.000 Tonnen hochradioaktiven Abfall gibt es auf der Erde, 12.000 Tonnen kommen jedes Jahr dazu, von den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen ganz zu schweigen: Weltweit bleibt Atommüll ein ungelöstes Problem. Auch nach dem "Atomausstieg" in Deutschland wächst der Müllberg jedes Jahr um 250 Tonnen hochradioaktiven Müll, dazu ein Zigfaches an schwach und mittelstark strahlenden Abfällen. Hinzu kommen die Tausenden Tonnen Müll aus dem Rückbau alter AKW.“ (BUND)

Mittel- und hochradioaktive Abfälle stellen ein besonders großes Problem für die Entsorgung dar. Die teilweise langen Halbwertzeiten erfordern eine sichere Endlagerung für Jahrtausende. Bei Plutonium 239 etwa beträgt die Halbwertzeit 24.000 Jahre.
Bis zur Festlegung auf Endlagerstätten wird ein Teil des Abfalls zwischengelagert, was zusätzliche Gefahren in sich birgt. Hinzu kommen Unfallrisiken beim Transport des Materials.
Von der Öffentlichkeit weniger zu Kenntnis genommen wird, dass über den radioaktiven Abfall hinaus auch große Mengen nichtradioaktiven toxischen Mülls anfallen.

Mehr bei Bund und Naturschutz Deutschland:
http://www.bund.net/themen_und_projekte/atomkraft/atommuell/

Dauerbestrahlung

Es ist durch Messungen belegt, dass AKWs andauernd Strahlung abgeben, die eine kontinuierliche Umweltbelastung darstellt. Signifikant erhöhte Raten von Krebsfällen im Umfeld von Atomkraftwerken, weisen darauf hin, dass die Gefahren unterschätzt werden.

Mehr bei Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland:
http://www.bund.net/themen_und_projekte/atomkraft/gefahren/dauerstrahlung/

Uranabbau

Weitgehend unbeachtet in der öffentlichen Diskussion werden die Gefahren und Umweltbelastungen die der Uranabbau mit sich bringt.

Aufgrund der relativ geringen Urankonzentration (meist zwischen 0,1 bis 0,5 Prozent) im abgebauten Gestein müssen sehr große Mengen an Erz gewonnen werden, was nicht nur erhebliche Landschaftsschädigungen mit sich bringt.
Das derzeit bekannte Uranvorkommen würde bei heutigem konstanten Verbrauch noch rd. 70 Jahre ausreichen. Sollten jedoch die aktuell geplanten Werke in Betrieb genommen werden, wird das Vorkommen kaum länger als 18 Jahre ausreichen.

Mehr bei Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland:
http://www.bund.net/themen_und_projekte/atomkraft/gefahren/uranabbau/

 

Autor: Andreas Pützer

Bildquelle: www.aboutpixel.de © AKW-quer Markus Bottesch

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