Biomasse

VergärungsanlageAlle Energie dieser Welt – bis auf die Erdwärme -  wird oder wurde im Verlauf von Jahrmillionen von Jahren aus Sonnenenergie gewonnen: Pflanzen und auch einige andere Organismen wandeln Sonnenenergie in chemische Energie um und nutzen sie zum Aufbau ihrer Körper. Diese Körper werden auch als Biomasse bezeichnet. Sie kann vom Menschen zur Wärmegewinnung genutzt, in Strom oder auch in Treibstoff umgewandelt werden.

Biomasse ist ein nachwachsender Rohstoff, der von Menschen seit Urzeiten, z.B. in Form von Brennholz zur Wärmegewinnung genutzt wird. In Biogasanlagen wird Gülle oder Silage aus (zum Teil auch gentechnisch veränderten) Energiepflanzen vergoren und das gewonnene Gas wird zur Wärme- und Stromgewinnung oder auch als Kraftstoff genutzt. Holz, Grünflächenschnitt, Biomüll und selbst Palmöl  lassen sich zu Biogas verarbeiten.[1]

Verglichen mit anderen erneuerbaren Energieträgern hat Biomasse den großen Vorteil rund um die Uhr verfügbar und flexibel einsetzbar zu sein. Zusätzlich wird aus Biomasse gewonnene Energie lokal produziert und trägt so zur dezentralen Nutzung von Bioenergie, zu großen Steuereinnahmen und somit zu einer größeren Autonomie der Kommunen bei.[2]

Feste Biomasse wird in Biomasseheizkraftwerken oder in Biomassekraftwerken verarbeitet. Beide erzeugen durch die Verbrennung von Biomasse elektrische Energie. Nur Biomasseheizkraftwerke allerdings stellen die dabei entstehende Wärme als Fern- oder Nahwärme bereit. Die von ihnen angewandte kombinierte Produktion von Strom und Wärme wird als Kraft-Wärmekopplung bezeichnet. Sie erzielt eine erheblich bessere Energieausnutzung als die reine Stromerzeugung.[3]

 

2012 wurden in Deutschland rund 15 Prozent der gesamten Landesfläche zur Erzeugung von Energiepflanzen eingesetzt.[4],[5] Aus diesen Pflanzen wurden 37 Milliarden KWh Strom gewonnen. Das entspricht rund 15 Prozent des Kohlestromverbrauchs des Jahres und 41 Prozent des Atomstromverbrauchs. Insgesamt wurde 2012 6,7 Prozent des gesamten in Deutschland verbrauchten Stroms aus Biomasse gewonnen.[6] Die Agentur für erneuerbare Energien gibt an, dass sich der zur Biomassegewinnung genutzte Anteil am Stromverbrauch auf knapp zehn Prozent im Jahr 2020 steigen ließe, bei Wärme auf ungefähr 13 Prozent.[7]

 

Im Jahr 2009 lag der Anteil der Stromerzeugung durch Biomasse in Berlin bei knapp zwei Prozent.[8] Dennoch ist die Nutzung von Biomasse der einzige Bereich, bei der Berlin im Bundesländervergleich von 2012 einen Spitzenplatz belegt: in der Stromerzeugung aus Biomasse nimmt Berlin den zweiten Platz ein, in der Zunahme der Nutzung von Biomasse zur Stromgewinnung seit 2008 sogar den ersten[9] - allerdings nur im Verhältnis zur bescheidenen Wald- und Landwirtschaftsfläche des Landes. Bei der Fernwärme allerdings gewinnt Berlin bisher nur knapp vier Prozent seiner Produktion aus erneuerbaren Energien[10] obwohl wir in Berlin das größte Fernwärmenetz Europas[11] haben. Hier schlummert noch ein großes Potential für eine Ökologisierung der bestehenden Infrastruktur.

 

Auch das Biogas aus Abfall, das von den Berliner Stadtreinigungsbetrieben ins Gasnetz eingespeist wird, spielt eine Rolle für den lokalen Klimaschutz: Die BSR stockt in Zukunft ihre Fahrzeugflotte auf 150 Biogas-betriebene Fahrzeuge auf und spart so zweieinhalb Millionen Tonnen Diesel pro Jahr ein. Rund 60 000 Tonnen Bioabfall landen nach Unternehmensangaben in den Biotonnen der Berliner.[12] Der BUND Berlin bemängelt allerdings, dass bei der Berliner Biogasproduktion die technischen Möglichkeiten zur Reduzierung der Methanemissionen noch nicht ausgeschöpft sind. Methan ist 25-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Neben der Reduzierung der Methanemissionen der Anlage muss vor allem auch der Verbrauch fossiler Energieträger minimiert werden.[13]

Tank oder Teller – Biomasse muss nachhaltig werden!

 

Ein großer Vorteil Biomasse als Energieträger ist die Möglichkeit, CO2 -neutrale bzw. CO2 -reduziert Energie zu gewinnen. Die Nutzung von Biomasse als erneuerbarer Ressource ist jedoch nicht ohne Probleme. Die Agrarwirtschaft in Deutschland beansprucht bereits jetzt mehr Fläche als in Deutschland zur Verfügung stehen und ist zunehmend auf Importe angewiesen. Gleichzeitig ist der Flächenanteil der für die Produktion von Energiepflanzen  genutzten Landwirtschaftsfläche in nur vier Jahren (2008 bis 2012) von 10,7 auf über 15 Prozent gestiegen.[14] Der BUND fordert daher weitgehende Nachhaltigkeitsstandards, um die Konkurrenz zum Lebensmittelanbau nicht noch stärker zu verschärfen. Außerdem müssen die Flächenkonkurrenz zum Natur- und Artenschutz, der Einsatz von Düngemitteln und  Pestiziden und auch giftigen Rückstände bei der Verbrennung von Altholz eingedämmt werden.[15] Global und lokal betrachtet kann Berlin als Energieverbraucher und – produzent erst durch wirklich nachhaltige Nutzung von Biomasse klimagerecht handeln.

 



[5] Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Umweltschutz (Hrsg.): Basisdaten Bioenergie Deutschland. August 2012; http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Bioenergie-NachwachsendeRohstoffe/FNR-Basisdaten-Bioenergie-2012.pdf?__blob=publicationFile ; Seite 8; 05.06.13

[14] Eigenberechnung; Zahlen: statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/Flaechennutzung/Flaechennutzung.html (gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche Deutschlands); http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Bioenergie-NachwachsendeRohstoffe/FNR-Basisdaten-Bioenergie-2012.pdf?__blob=publicationFile; Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; Basisdaten Bioenergie Deutschland. August 2012; http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Bioenergie-NachwachsendeRohstoffe/FNR-Basisdaten-Bioenergie-2012.pdf?, Seite 8 (für Energiepflanzen genutzte Fläche); 05.06.13

Bildquelle: aboutpixel.de Endstation für Raps © Ulrike Steinbrenner

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